Empathisches Fragen statt Beschämung: Warum der Umgang mit Ferienerlebnissen im Klassenzimmer Sensibilität verlangt
Im Schulalltag stehen Lehrkräfte immer wieder vor der Herausforderung, Kinder nach ihren Erfahrungen zu befragen – besonders nach den Ferien, wenn viele Routinen wieder aufgenommen werden. Doch nicht jede scheinbar harmlose Frage fördert automatisch das Wohlbefinden der Kinder. Gerade Ferienfragen können unbeabsichtigt Druck oder Gefühle von Ausgeschlossenheit auslösen. Daher lohnt es sich, zu überlegen, wie Lehrkräfte solche Situationen empathisch gestalten, damit sich alle Kinder gesehen und verstanden fühlen. Ein bewusster Umgang mit Sprache, das Reflektieren gängiger Rituale und die Offenheit für neue Wege tragen dazu bei, eine respektvolle Atmosphäre im Klassenraum zu schaffen.
Lehrkräfte können Schüler*innen unabsichtlich dadurch beschämen, dass sie am ersten Schultag nach den Ferien fragen, was sie in den Ferien gemacht haben.
Es gibt viele Kinder, die wenig in den Ferien erlebt haben, weil z.B. die Eltern wenig finanzielle Mittel haben, oder Eltern aus verschiedensten Gründen kaum Zeit mit den Kindern in deren Ferien verbringen können.
In Kindern kann aufgrund dieser Frage folgendes (unbewusst) ausgelöst werden:
Mögliche Gedanken:
- Die anderen machen großartige Sachen, ich nicht.
- Meine Eltern haben kein Geld
- und/oder keine (/ nie) Zeit, immer ist meine Mutter/Vater krank.
- Ich bin nicht wichtig.
- Ich glaube die anderen finden mich langweilig.
- Ich kann nichts Tolles erzählen, die anderen schon.
- Ich bin nicht so viel wert wie die anderen.
- Wir sind ärmer als die Anderen, wir haben nicht genug Geld.
- Immer müssen meine Eltern arbeiten,
- nie haben sie Zeit für mich. uvm.
Gefühle die entstehen können:
- Unbehaglichkeit,
- Ängstlichkeit in Bezug was die anderen sagen und denken,
- ärgerlich oder wütend auf die Eltern, weil sie es nicht können oder wollen,
- ärgerlich oder wütend auf die Lehrkraft die diesen „Punkt“ in den Mittelpunkt des Momentes stellt,
- angespannt/nervös/geladen/gereizt sein bezüglich des Momentes des Mitteilens,
- sich einsam /abgeschnitten/verloren fühlen, enttäuscht/verbittert frustriert fühlen, hilflos/ohnmächtig fühlen,
- traurig/bedrückt/deprimiert/unglücklich/verzweifelt (wenn es schon lange so ist).
- Neid auf die Anderen,
- Scham vor sich selbst und den Anwesenden.
Bedürfnisse die berührt und erfüllt oder unerfüllt sein können:
- Nicht angenommen fühlen,
- nicht gesehen werden oder zu viel gesehen werden im negativen Sinn,
- fehlende Zugehörigkeit,
- mangelnde Akzeptanz,
- fehlende Wahlmöglichkeit und fehlende Selbstwirksamkeit das zu ändern.
- Fehlendes Entdecken von neuen Erfahrungen an anderen Orten,
- fehlende neue „Lernräume“,
- fehlende Leichtigkeit und Spaß.
- fehlende Gerechtigkeit.
Mögliche Strategien um die unangenehmen Gefühle, Gedanken und unerfüllten Bedürfnisse wahrnehmen zu müssen:
- Am ersten Schultag krank sein
- Etwas (dazu)erfinden/lügen
- aus dem Klassenzimmer gehen
- Strategien zur Erhöhung über die anderen in anderen Momenten, um den gefühlten Makel nicht zu groß in der eigenen Bedeutung werden lassen,
- den Unterricht oder diese Erzählrunde stören, sehr leise sprechen vielleicht sogar mit geröteten Wangen erzählen und am liebsten in den Erdboden versinken.
- sich verschließen, nicht nur in diesem Moment, und auf Dauer leiser/oder lauter werden.
- selten schaffen es Kinder das alles für sich wahrzunehmen und ganz oder in Teilen der Lehrerin und der Klasse sagen, was diese Frage in ihm auslöst.
- Oder können aussprechen, wie blöd diese Frage ist.
Impulse was Du als Lehrkraft stattdessen fragen oder tun könntest:
- Fragen, was war der schönste oder die 3 schönsten Momente in deinen Ferien? Vielleicht als eine erwachsene Person mehr Zeit als sonst hatte, oder ein Spiel gespielt wurde, dass Freunde Zeit hatten, etc.
- Worüber hast du dich in den Ferien gefreut? Das kann ausschlafen sein. Oder ein Urlaub.
- Gab es Etwas was ihr hier im Kreis oder später mir alleine erzählen wolltet, das euch belastet hat in den Ferien?
- Die Antworten könnten, statt als Erzählrunde als Brief oder Bild erfolgen.
- Die Frage könnte auch (zusätzlich) lauten, was hättet ihr gerne in den Ferien erlebt? Alternativ nur einen Gesamteindruck der Kinder durch Daumen hoch, quer, oder nach unten abfragen, wenn es darum geht zu sehen wie sie hier wieder ankommen.
- Wir alle können etwas dazu beitragen, dass sich Kinder in der Schule wohlfühlen. Manchmal reicht es aus, Fragen anders zu stellen oder sein zu lassen und „bessere“ Fragen zu finden. Und wir können zusätzlich auf kreative Lösungen zurückgreifen, die mehr Sinne miteinbezieht.
Durch kreative Ansätze und sensible Fragen das Miteinander stärken
Um der Vielfalt in der Klasse gerecht zu werden, ist es sinnvoll, verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation anzubieten. So können die Kinder selbst wählen, ob sie sich mündlich, schriftlich, künstlerisch oder auf andere kreative Weise ausdrücken möchten – auch eine Mischung aus verbalen und nonverbalen Formen ist möglich. Das erleichtert die Beteiligung aller und schafft für jede Person einen passenden Zugang. Besonders für zurückhaltende oder neurodiverse Kinder bietet diese Offenheit Raum, sich auf ihre eigene Weise einzubringen.
Kreative Methoden für den Schulalltag: Ferien-Galerie & Gedankenbox
Eine kreative Methode könnte beispielsweise eine „Ferien-Galerie“ sein: Die Kinder gestalten Bilder oder kleine Bastelarbeiten zu ihren Ferienerlebnissen, die anschließend gemeinsam betrachtet werden. Es kann geschrieben, gemalt, gebastelt, oder mit Fotos gearbeitet werden ebenso mit einer Mischung aus allem.
- Auch eine anonyme „Gedankenbox“ kann helfen, damit alle – besonders die Schüchternen – ihre Erlebnisse oder belastenden Themen mitteilen können, ohne im Mittelpunkt zu stehen.
Solche Ansätze fördern die Beteiligung, Vielfalt und das Wohlbefinden in der Klassengemeinschaft.
Bindungsorientierte Fragen als Leitstern
Die Fragen, die wir im Schulalltag stellen, prägen Beziehungen und das Miteinander. Überprüfe für dich selbst: Sind die Fragen, die du stellst, bindungs- und beziehungsfördernd? Fühlen sich die Kinder sicher und angenommen, wenn sie antworten? Diese Reflexion hilft, eine Umgebung zu schaffen, in der Vertrauen wachsen kann.
Reflexion und Feedbackkultur: Schule gemeinsam gestalten
Es lohnt sich regelmäßig innezuhalten und die eingeführten Methoden gemeinsam mit den Kindern zu reflektieren: Was hat für uns funktioniert, wo fühlen wir uns gehört und wertgeschätzt? Offenheit für Rückmeldungen und die Bereitschaft, den Kurs bei Bedarf anzupassen, stärken nicht nur das Vertrauen, sondern machen echte Teilhabe lebendig. So bleibt die Schule ein Ort, an dem Vielfalt gefeiert und Gemeinschaft gestaltet wird – Tag für Tag, von allen gemeinsam.
Fazit: Eine Schule, die Vielfalt lebt
Wenn wir Vielfalt und unterschiedliche Ausdrucksweisen nicht nur zulassen, sondern gezielt fördern, entsteht eine Atmosphäre, in der jedes Kind wachsen und seine Talente entfalten kann. Eine Schule, die auf Teilhabe, Gleichwürdigkeit und Respekt basiert, schafft nicht nur Raum für individuelles Lernen, sondern legt das Fundament für eine unterstützende, starke Gemeinschaft.
Indem wir neue Methoden ausprobieren, offen für Feedback bleiben und bewusst Bindungen stärken, gestalten wir Schule als einen lebendigen Ort des Miteinanders. Das ist der Schlüssel zu echter, nachhaltiger Inklusion – und eine wertvolle Investition in die Zukunft aller Beteiligten.
Ich hoffe, dieser Impuls inspiriert dich, diese Ansätze gemeinsam mit Kolleg*innen weiterzudenken – für eine gleichwürdige und vielfältige Schulgemeinschaft, in der sich alle wohlfühlen und wachsen dürfen.
Dein Wohlbefinden als Lehrkraft steht im Fokus
Und noch ein wichtiger Aspekt dabei, der immer unterschätzt wird, ist immer, wie fühlst du dich dabei.
Wo und wann kommt Stress in dir auf.
Beobachte dich hast du Freude in diesen Momenten?
Denn Dein Nervensystem ist der Dirigent der ganzen Klasse.
Und wenn du dich nicht wohlfühlst, gehe dem Stress auf den Grund.
Welche Gefühle sind in dir?
Welche Gedanken?
Welche Körperreaktionen?
Begleitungsangebot
Und wenn Du hier in diesem Punkt gerne Begleitung möchtest, um diesen Stress hinter dir zu lassen und freudvoller im Schulalltag zu sein, melde Dich gerne für Unterstützung. Wir gehen dem Stress auf den Grund. Und wandlen Ihn.
Für mehr Freude in deinem Tun – für dich und die Schüler und Schülerinnen.
überarbeitetr mit Ki2025 Text: Struktur und Leseflüssigkeit und Bild